Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inTumult 37/2011 im AbschnittKein Halten mehr? Anfang des Endes Eine solche säkular-klösterliche Anlage, wie wir sie hier auf Schloß Neuhardenberg haben, ist dann, mit Sloterdijk zu sprechen, als Übungsanlage auf Zeit tatsächlich so etwas wie ein Versuch, heute eine Conduite-Schule für diejenigen einzurichten, die kraft ihres Denkens gerade nicht allfällige Lösungsvorschläge erarbeiten können, sondern durch das Arbeiten die Probleme in immer tieferem Sinne als prinzipiell unlösbar darstellen und deswegen tatsächlich zum Problem machen. Denn Probleme, die lösbar waren, sind keine. Man brauchte sie ja nur zu lösen. Was sollte es da für einen Sinn haben, sich auf die Problematisierung einzulassen? Themen Arbeit an unlösbaren ProblemenProblematisierung Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status intaz. die tageszeitung im Abschnitt"Ich bringe Menschen zum Parallelswingen" Haben Sie Angst vor dem Tod? Nein, denn der Tod ist ja nur etwas für Lebende. Aber unter den Lebenden richtet er bekanntlich einen ungeheuerlichen Schaden an. Und als Humanist kritisiere ich diese harte Wahrheit des Todes unter den Lebenden. Themen keine stefan m. seydel/sms ;-)
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status intaz. die tageszeitung im Abschnitt"Ich bringe Menschen zum Parallelswingen" "Das Zunehmen des Nichtwissens infolge von Wissen ist der Fortschritt aller Wissenschaften" Themen keine stefan m. seydel/sms ;-)
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status intaz. die tageszeitung im Abschnitt"Ich bringe Menschen zum Parallelswingen" Jetzt wird es komplex. >Das Zunehmen des Nichtwissens infolge von Wissen ist der Fortschritt aller Wissenschaften und Künste. Die Krone der Meisterschaft darf sich aufsetzen, wer wagt, sich auf das Nichtwissen einzulassen, statt sein Wissen zu nutzen, um Macht zu gewinnen. Und die Gesellschaft kann in diesem Sinne dann vom Künstler die Anerkennung des Nichtwissens erlernen? Ja, denn das ist das Demokratieprinzip. Wenn Demokratie eine Grundvoraussetzung hat, nämlich die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, dann ist Gleichheit nie die Gleichheit des Vermögens, der Genetik, der Herkunft, des Talents und so weiter, sondern Gleichheit gibt es nur angesichts der ungeheuerlichen Form des Nichtkönnens und des Nichtwissens. In dem Eingeständnis, was wir alle, selbst als Höchstgelehrte, gerade in der Einsicht als Höchstgelehrte, alles nicht können und nicht wissen, sind wir Demokraten. Wir brauchen also bei der Lösung globaler ökologischer und ökonomischer Probleme keine Allmachtsfantasien, sondern eine Sozietät, eine neue Gemeinschaft der Welt, die jenseits von Sprachgemeinschaften, Religionen oder kulturellen Identitäten von denen getragen wird, die wissen, dass sie die unlösbaren Probleme nicht lösen, aber nur gemeinsam mit ihnen umgehen können. Themen keine stefan m. seydel/sms ;-)
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status intaz. die tageszeitung im Abschnitt"Ich bringe Menschen zum Parallelswingen" Das Zunehmen des Nichtwissens infolge von Wissen ist der Fortschritt aller Wissenschaften und Künste. Die Krone der Meisterschaft darf sich aufsetzen, wer wagt, sich auf das Nichtwissen einzulassen, statt sein Wissen zu nutzen, um Macht zu gewinnen. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inAnkündigung zur Besucherschule der Art Frankfurt, 1994, 1994 im AbschnittWarum noch Kunst? Zur Politikverdrossenheit, zur Technik- und Bildungsverdrossenheit jetzt noch die Kunstverdrossenheit? Man kann das Gelaber nicht mehr hören, weil es so verlogen ist. Wer diesen Maulchören der gelangweilten Schmarotzer tatsächlich folgt und sich als asketischer Einsiedler in die Großstadtwüsten zurückzieht, merkt schnell, daß das Gejammer so ernst nicht gemeint ist. Dreißig Kanäle zapfen die Burschen an, damit sie genügend Augenfutter haben. Aus den Duschen soll es sprudeln und ALDI Milch und Marmelade fließen lassen. Themen keine ludwigzeidler dergraueraum
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inVernissage der Ausstellung von Kata Legrady, 2011 im AbschnittDulce et decorum – Die Zuckerwaffen der Kata Legrady Wo Wahrheit, Gutheit, Schönheit nicht mehr dogmatisch behauptet werden können, rettet nur noch der Lügner die Wahrheit – das Eingestehen der Falschheit lässt erkennen, dass der Gestehende noch etwas von der Wahrheit weiß. Das erkannte Scheitern der Künstlerei als das erkannte Falsche ist als solches noch wahr. Themen LügeWahrheit Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittBildende Wissenschaft. Das Glück der Dauer. Reale Virtualität. Imaging Science. Nicht nur Historiker, Archäologen, Theologen, Philologen, die gelernt haben, mit Toten sachgemäß zu kommunizieren, handhaben die Techniken, Dauer durch wieder-holen, zurück-holen zu erreichen; heute bedienen fast schon alle Zeitgenossen sich der Technik des recording in Bild und Ton: sie lassen Clark Gable per Videorecorder auferstehen; sie halten eine Lebensszene per Foto permanent verfügbar und collagieren bei Familienfesten Lebensläufe zu Biographien, in denen souverän Zeiten und Räume ineinander verschachtelt und auseinandergenommen werden – wie es noch vor kurzem bestenfalls Kulturprofis zu tun vermochten. Die Zeitgenossen lernten das vor allem am Beispiel der Künste und der Massenmedien. Inzwischen beklagt das TV-Volk nicht mehr die "ewigen Wiederholungen alter Filme", sondern partizipiert an den Warholschen Freuden der ständigen Wiederkehr desselben als das Gleiche (Serienglück). Und Friedrich Nietzsche segnet die Sportschaugucker, denen die slow-motion-Wiederholung wichtiger Szenen (dreimal, viermal, immer wieder) zur Qualifikation MT verhilft: Master of Time – Kulturgröße. Das ist technische Theologie: das christliche Wiederauferstehungsversprechen kann von jedermann erfüllt werden, ohne Apokalypse, ohne jüngstes Gericht. Die Massenmedien beweisen täglich, daß wir das Ende schon hinter uns haben. Das ist ihre frohe Botschaft. Themen keine Hans-Jürgen Siegmund1
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittAnimierte Animatoren. Wer bewußt Kitschobjekte in diese Kommunikation einbringe, macht seinen Partnern klar, daß es in der Beziehung nicht um die Objekte geht, sondern um die immer wieder beschworenen »geistigen oder seelischen Werte«. Die 150%igen Kitschobjekte, also die »camp«- Werke, erfüllen diese Voraussetzung optimal. Es kommt also darauf an, mehr und mehr Menschen der verschiedensten Kommunikationsgemeinschaften zu einer bewußten Nutzung der »camp«-Gegenstände anzuleiten. Die bis dato »kleinbürgerlich« genannte Beurteilung von Artefakten ging davon aus, jene Werke am höchsten zu schätzen, bei denen zwischen Inhalt und Form die größte Übereinstimmung herrscht - so als könne es eine vollständige Identität von psychischen Aktivitäten und sprachlicher Gestaltung geben. Wenn das tatsächlich gelten sollte, könnte man nur Tautologien produzieren nach dem Muster »eine Rose ist eine Rose ist eine Rose«. Die ästhetische Aufladung von sprachlicher Gestaltung, also auch von Bildern, Skulpturen, Musikstücken, Architekturen, entsteht aber gerade aus dem Spannungsverhältnis zwischen Gedanken, Vorstellungen, Gefühlen und Willensäußerungen einerseits und der Unmöglichkeit, sie in eineindeutigen Gestaltungen zu repräsentieren, andererseits. Themen Für eine neue Ästhetik der Medien Michael Esser
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inBazon Brock zeigt mit Agamben, wie man Hundertwasser liest., 2008 im AbschnittEntblößung ist Argument. Zur Wahrheit als Reduktion auf die nackte Existenz Künstler haben es nie darauf abgehoben, als Kirche für Atheisten, das Museum sollte nicht der Ersatz für die Atheisten sein, so dass sie auch ein Tempel haben. Das Museum ist kein Tempel für die Atheisten, da geht es um Erkenntnis und nicht ums Anbeten. Themen keine Martin Kohlhaas1